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„Health literacy“ und „Empowerment“ am Arbeitsplatz Schule

27.04.2021
von Anita Lehner
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Lehrer*innengesundheit

Belastungen am Arbeitsplatz Schule werden zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder anders und neu formuliert. Interessant in diesem Zusammenhang ist dabei der Umstand, dass die Deutung und Interpretation dieser Belastungsfaktoren von den Lehrkräften sehr unterschiedlich erfolgt: So kann es sein, dass z.B. das derzeitige „distance learning“ von manchen Lehrpersonen so positiv gesehen wird, dass sie auch zukünftig nicht mehr darauf verzichten wollen, während ihre Kolleg*innen über fehlende Beziehungskultur zu den Schüler*innen klagen und hoffen, dass bald wieder Normalität im Schulalltag einkehrt.

In der Literatur werden unterrichts- schul- und interaktionsbezogene Belastungen in vielfacher Form angeführt und der Ruf nach einer „Wohlfühlzone Schule“ im Sinne der WHO Definition von Gesundheit wird immer lauter. Somit drängen sich - in Anlehnung an die Vorgaben der WHO - rasch folgende Fragen in Bezug auf die Rahmenbedingungen einer gesundheitsfördernden Schule auf:

  • Wie kann es gelingen, dass die Schule zu einem Ort wird, an dem jede beteiligte Person (Lehrkraft und Lernende) das individuelle Potential mehr und mehr entdecken und leben kann?
  • Welche Bedingungen braucht produktives, „fruchtbringendes“ Lehren und Lernen?
  • Werden Ressourcen zur Verfügung gestellt, damit alltäglicher Stress als „Eustress“ erlebt wird?
  • Gibt es Formen der Partizipation, die es den einzelnen Personen möglich macht, sich in der Schulgemeinschaft als selbstwirksam zu erleben?

Gesundheitsförderliche Arbeits- und Lernbedingungen in der Schule leben einerseits von gelungenen und wertschätzenden Beziehungen, andererseits davon, dass die Akteur*innen sich konstruktiv und selbstwirksam erleben. Dem salutogenetischen Ansatz entsprechend brauchen Menschen das Gefühl der Durchschaubarkeit, Machbarkeit und Sinnhaftigkeit ihres Tuns.

Die Diskussion um die fortwährend sich erhöhenden Belastungen am Arbeits- und Lernort Schule braucht also eine Kultur des „Empowerments“, des „Copings“ und der Beziehungspflege, damit Lehrkräfte und Schüler*innen diese Belastungen für sich als Herausforderung und positive Beanspruchung formulieren können. In diesem Zusammenhang wurde von Bundesministerium für Bildung Wissenschaft und Forschung das NCoC für Psychosoziale Gesundheit ins Leben gerufen: hepi wird in Form von Publikationen, Fortbildungsveranstaltungen und Diskussionsrunden Möglichkeiten anbieten, damit Schule ein Ort wird, in dem neben den Fachkompetenzen im herkömmlichen Fächerkanon auch „health literacy“ vermittelt und gelebt wird und Schule mehr und mehr einen Beitrag zur (bio)psychosozialen Gesundheit aller am Schulstandort agierenden Personen beitragen kann.